Wenn die Hänseleien keine Ende nehmen…Kinder mit abstehenden Ohren leiden unter ihrer Umwelt

Ein Presseservice des Deutschen Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte e. V. Postfach 1427 * 24539 Neumünster
Pressemitteilung 11.06.2008

„Dumbo“ haben sie ihn genannt und „Segelohr“. Sie haben ihm die
Kindergartenzeit mit ihren Hänseleien häufig zur Hölle gemacht – und das nur wegen seiner abstehenden Ohren. Inzwischen geht Nico in die erste Klasse. In der Schule hänselt ihn jetzt keiner mehr. Professor Dr. Werner Heppt, Direktor der HNO-Klinik am Städtischen Klinikum in Karlsruhe, hat Nicos Ohren mit einem kleinen, präzisen Eingriff korrigiert, mittels so genannter minimal-invasiver Technik: Keine Narkose, tolles Ergebnis. Heute hat Nico (6) die „schönsten Ohren der Welt“, wie seine Mama Janina findet.

Wenn Hals-Nasen-Ohrenärzte heute einen Eingriff vornehmen, um dieFehlstellung von Ohren zu korrigieren, dann richten sie sich nach einem Schönheitsideal, das im 19. Jahrhundert entstanden ist.

So weit die Wurzeln dieser Form der plastischen Chirurgie auch zurück reichen, von einer „Allerwelts-Operation“ wie beispielsweise beim Entfernen von Mandeln kann man keinesfalls sprechen. „Der Operateur braucht ein gutes ästhetisches Gespür, denn schließlich soll das Ohr hinterher nicht ‹‹operiert›› aussehen“, erläutert Professor Heppt.

Für die Korrektur abstehender Ohren gibt es kein Standard-Verfahren, erläutert der HNO-Arzt. „Das hängt vom Alter ebenso ab, wie vom Grad der Fehlstellung.“ Während bei älteren Patienten der Ohrknorpel fester ist, ist er bei jungen noch elastisch, aber auch dünner.

Ein „schlechtes“ Ergebnis müssen Patienten häufig dann ertragen, wenn sie sich nicht von einem Hals-Nasen-Ohrenarzt haben operieren lassen. Professor Heppt beklagt: „Immer mehr Nicht-Fachleute erlauben sich, solche Operationen vorzunehmen.“ Meist nähen sie mit einfachster Technik das Ohr nur an – und nach einiger Zeit steht es wieder genau so ab wie vorher. Die Experten aus dem HNO-Fach müssen nicht unbedingt nähen. Sie haben mindestens drei OP-Techniken im Repertoire – neben Nahttechniken auch die Knorpel-Ausdünnung sowie Schnitttechniken – und können sich so für die Methode entscheiden, die für den Patienten optimal ist.

Meist sind es „kleine Patienten“, die beim HNO-Arzt wegen abstehender Ohren vorstellig werden. Viele Kinder, genauer: eins von 20, kommen mit abstehenden Ohren zur Welt – und landen trotzdem nicht unter’m Skalpell: „Nicht jedes Baby wird die abstehenden Ohren behalten. Bei manchen verwächst es sich auch.“ Verwächst es sich nicht, sind die Kinder in den allermeisten
Fällen einem enormen psychischen Druck ausgesetzt und werden in eine Außenseiterrolle gedrängt. Viele tragen bewusst lange Haare oder ständig eine Mütze. „Ganz besonders schlimm ist es bei Mädchen“, weiß HNO-Experte Heppt: „Wenn sie ins Teenager-Alter kommen, werden sie sich der Fehlstellung ihrer Ohren besonders bewusst.“

Das ist dann auch spätestens der Zeitpunkt, zu dem ein Hals-Nasen-Ohrenarzt aufgesucht werden sollte. Idealerweise geschieht dies jedoch schon im Alter von bis zu sechs Jahren – vor der Einschulung. So hat’s die Mama von Nico gemacht. Kurz vor der Einschulung haben sie ihren Hals-Nasen-Ohrenarzt besucht und der hat Nico zu Professor Heppt überwiesen. Und die Hänseleien haben ein für allemal ein Ende.

„Segelohren“ oder nicht?
Schauen Sie ihrem Kind von oben auf den Kopf. Wenn die Ohren in einem Winkel von etwa 30 Grad stehen, ist alles in Ordnung. Das rät Professor Dr. Werner Heppt vom Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte

Ihren Hals-Nasen-Ohrenarzt sollten Sie aufsuchen, wenn…

… die Ohren mehr als zwei Zentimeter vom Kopf abstehen. (Benutzen Sie zum Messen ein Lineal!)
… die Ohren für Sie, aber auch Ihre Familie und Ihre Umgebung „auffällig“ scheinen.
… Sie von Hänseleien Ihres Kindes wegen seiner Ohren erfahren.