Über das Hören

Über das Hören erhalten wir Informationen. Diese Informationen erreichen uns über gesprochene Sprache oder auch Klänge und Geräusche wie Lachen, Schluchzen, Regenprasseln, Knalle, Hupen oder Bremsenquietschen.
Warn- und Alarmierungsfunktion
Der Hörsinn warnt und alarmiert. Das Klingeln des Telefons, Hupen oder warnende Zurufe werden über das Gehör erfasst. Gefahren im Straßenverkehr können mit einem gesunden Gehör schneller erfasst werden. Wenn wir das Motorgeräusch eines herannahenden Autos hören, können wir uns entsprechend verhalten.
Orientierung
Ein gesundes Gehör unterstützt die Orientierung im Raum. Auch mit geschlossenen Augen ist zu hören, ob man sich in einem kleinen oder großen Raum aufhält. Außerdem können wir die Richtung wahrnehmen, aus der ein Geräusch kommt. Dies ist zum Beispiel im Straßenverkehr wichtig. Auch im Dunkeln ist es mit einem gesunden Gehör möglich festzustellen, aus welcher Richtung ein Geräusch kommt und wie weit die Geräuschquelle entfernt ist.
Kommunikation
Wer nicht mehr richtig hört, kann schlechter mit anderen kommunizieren. Dadurch wird die Möglichkeit, soziale Kontakte aufzunehmen und zu pflegen eingeschränkt. Vereinsamung und Isolation können die Folge sein. Es ist unangenehm, immer wieder „Wie bitte?“ zu fragen. Ein gesundes Gehör erlaubt auch Gespräche unter ungünstigen Rahmenbedingungen, wie z. B. Rauschen im Telefon oder Hintergrundgeräusche. Außerdem sind Gespräche mehr als der bloße Austausch von Worten. Betonung, Sprachmelodie, Lautstärke und Tonhöhe tragen wesentlich zum Entschlüsseln einer Botschaft bei und damit zum umfassenden Verständnis.
Klangwahrnehmung
Klänge können wahrgenommen werden ohne Unterstützung durch das Sehen. Es ist möglich, ein Konzert mit geschlossenen Augen zu verfolgen. Wir hören die Musik. Die Klänge werden über das Außenohr, die Gehörknöchelchen im Mittelohr, die Cochlea (Schnecke) im Innenohr und den Hörnerv zum Hörzentrum des Gehirns geleitet. Wir können die Musiker und ihre Bewegungen mit unserem geistigen Auge wahrnehmen, auch wenn wir sie nicht in der Realität sehen. Voraussetzung für dieses Phänomen ist natürlich, dass wir dieses Bild über das echte Sehen bereits im Großhirn gespeichert haben.
Emotionale und soziale Funktion
  Durch das Hören können wir neben den reinen Fakten auch den gefühlsmäßigen Inhalt einer Botschaft erfassen und angemessen darauf reagieren. Diesen emotionalen Anteil an Gesprächen vermitteln Betonung, Sprachmelodie, Tonhöhe und Lautstärke. Diese Komponenten beeinflussen die Aussage eines Wortes stark. So bedeutet ein ironisch ausgesprochener Satz sein genaues Gegenteil. Neben dem Gesagten empfängt das Gehör zusätzliche Informationen, die auf der gefühlsmäßigen und sozialen Ebene verarbeitet werden. So kann in dem Gehörten z. B. Begeisterung, Wohlwollen, Ablehnung oder Zurückhaltung mitschwingen. Eine wahrgenommene Lippenbewegung reicht also nicht zum vollständigen Verstehen einer Botschaft aus. Viele Hörgeschädigte ziehen sich deshalb aus schwierigen Gesprächssituationen zurück und resignieren.