Tag der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember

Knigge ohne Handicap –
So verhalten Sie sich richtig gegenüber Menschen mit Behinderung

„Knigge“ ist in aller Munde! Beruflich und privat beschäftigen sich immer mehr Menschen mit guten Umgangsformen und korrektem Benehmen. Die Stiftung Leben pur ruft am Tag der Menschen mit Behinderungen dazu auf, über das eigene Verhalten gegenüber Menschen mit schweren Behinderungen nachzudenken.

„Viele Menschen ohne Behinderungen fühlen sich gerade gegenüber Menschen mit schweren Behinderungen unsicher und wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen“, begründet Christine Kopp von der Stiftung Leben pur diese Aufforderung. Die einen reagieren mit übertriebener Hilfsbereitschaft, oft ungefragt und ohne Rücksicht darauf, ob diese Hilfe wirklich angebracht ist. Oder sie belehren eine Mutter, wie sie mit ihrem Kind umgehen muss, das eine schwere Bewegungsstörung hat oder eine geistige Behinderung. Und selbst erwachsene Menschen mit Behinderung werden ständig geduzt. „Oft geschieht das aus Gedankenlosigkeit – aber ist das nicht auch Ausdruck einer unbewussten Haltung?“

Eine weitere Gruppe gerät in eine Art innere Zwickmühle: Sie wollen einerseits helfen, aufmerksam zu sein, aber dabei „politisch korrekt“ agieren. Die Folge ist etwa ein krampfhaft abgewandter Blick, der Normalität suggerieren soll. Auch das verhindert eine Begegnung auf Augenhöhe und ist von einem selbstverständlichen Miteinander weit entfernt.

Gute Umfangsformen fördern die Integration.

Doch was ist „richtig“? Anders als zu vielen Benimm-Fragen gibt es dafür keine Ratgeber.
Die Stiftung hat deshalb das Gespräch mit Sabine Schwind von Egelstein gesucht, sie ist Expertin für Umgangsformen und Gründungsmitglied des Deutschen Knigge-Rats. „Wir wären schon einen großen Schritt weiter, wenn wir uns einfach auf allgemein gültige Umgangsformen besinnen würden. Das Handicap gegenüber Menschen mit Behinderungen spielt sich bei den meisten vor allem im Kopf ab“, ist sie überzeugt.

Nirgendwo steht beispielsweise geschrieben, dass ein (junger) Erwachsener – egal wie schwer seine Behinderung ist – per se geduzt werden darf. Das verbietet schon allein der Respekt. „Und wenn Sie meinen, dass jemand Hilfe braucht, bieten Sie sie höflich an und fragen Sie, wie Sie am besten helfen können – wird Ihr Angebot abgelehnt, ziehen Sie sich zurück.“ Auch für Eltern hat Schwind von Egelstein einen Tipp: „Wenn Ihr Kind neugierig ist und auf einen Menschen mit Behinderung zugehen will, ist das völlig in Ordnung. Gehen Sie aber mit und beenden Sie das Gespräch, wenn Sie merken, dass es Ihrem Gegenüber zu viel wird.“

Die Stiftung ist überzeugt: Wenn es gelingt, unbefangener miteinander umzugehen, sind wir der Vision einer Gesellschaft, in der es normal ist, verschieden zu sein und in der jeder barrierefrei leben kann – egal wie ausgeprägt seine körperlichen oder geistigen Einschränkungen sind.