Negative Bewertung für Hörsturz-Therapie – HNO-Ärzte kritisieren Irreführung im IGeL-Monitor

Eine Pressemitteilung des Deutsche Berufsverbändes der Hals-Nasen-Ohrenärzte e.V.

Negative Bewertung für Hörsturz-Therapie – HNO-Ärzte kritisieren Irreführung im IGeL-Monitor

Neumünster, 25.08.2015 – In einer gemeinsamen Stellungnahme kritisieren die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie und der Deutsche Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte die negative Bewertung der Glukokortikoid-Therapie bei Hörsturz im IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK). Die negative Bewertung basiere auf der Auswertung veralteter Studienergebnisse. Aktuelle Leitlinien blieben unberücksichtigt, monieren die Autoren.

Im Gegensatz zum IGeL-Monitor beschreibe die seit 2014 gültige Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, darunter den Einsatz hochdosierter Kortison-Präparate. Statt die aktuelle Leitlinie der AWMF bei der Begutachtung im IGeL-Monitor einzubeziehen, werde nur auf eine veraltete Leitlinie aus dem Jahr 2010 verwiesen. Nach Ansicht der HNO-Mediziner verunsichere eine solche „fragwürdige und irreführende“ Information im IGeL-Monitor die Patienten, die bei einer akuten Beeinträchtigung eines ihrer wichtigsten Sinnesorgane ärztliche Hilfe suchen. Im Sinne einer neutralen, fachlich korrekten Darstellung der Kortison-Therapie bei einem Hörsturz müsse der Beitrag überarbeitet werden, fordern Fachgesellschaft und Berufsverband.

Aufgrund der mit einem Hörsturz einhergehenden Einschränkung der Lebensqualität sei eine Behandlung grundsätzlich gerechtfertigt. Gleichzeitig bedürfe nicht jeder Hörsturz einer Behandlung. Bei informierten Patienten mit geringfügigen Hörverlusten ohne Beeinträchtigung des sozialen Gehörs könne eine Spontanremission abgewartet werden. Bei ausgeprägtem Hörverlust, vorgeschädigten Ohren sowie bei zusätzlich vestibulären Beschwerden sei jedoch eine unmittelbare ambulante oder stationäre Behandlung zu empfehlen, heißt es in der Stellungnahme.

Im Ergebnis einer Megaanalyse der Cochran Kollaboration werde der Stellenwert der systematischen Steroidtherapie bei der Behandlung eines Hörsturzes zwar als noch unklar eingeschätzt. Die im entsprechenden Cochran Review berücksichtigten Studien kämen aber zu uneinheitlichen Resultaten. Eine qualitativ hochwertige Studie habe keine Wirksamkeit der niedrig dosierten oralen Kortison-Therapie gezeigt. In der Folge sehe die AWMF-Leitlinie eine solche Behandlung nicht vor. Obwohl kein Beweis für die Wirksamkeit einer geringen Kortison-Gabe existiere, gebe es jedoch auch keinen Beleg für die Unwirksamkeit der niedrig dosierten systematischen Glukokortikoidtherapie. Somit sei die Behauptung des MDS, die systematische Cortisontherapie sei unwirksam oder gar „tendenziell negativ“, schlichtweg falsch, stellen Fachgesellschaft und Berufsverband klar.

Trotz der vergleichsweise dünnen Studienlage zur Hörsturz-Therapie, der sich die Leitlinien-Kommission der AWMF bewusst sei, gebe es positive Hinweise, die den individuellen Einsatz einer systematischen intravenösen Hochdosis- Glukokortikoidtherapie rechtfertigten. „Einem Patienten eine solche Behandlung nach entsprechender Aufklärung zu verweigern, wäre zu tiefste umethisch und umärztlich“, resümieren die Autoren.

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Thomas Hahn
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