Hörschäden bei 16- bis 20-Jährigen auf dem Vormarsch

Ein Presseservice der Deutschen Fortbildungsgesellschaft der Hals-Nasen-Ohrenärzte mbH Haart 221 * 24539 Neumünster

Deutsche HNO-Ärzte fordern „Apple“ zur Kooperation auf Volkskrankheit Schwerhörigkeit: Hörschäden bei 16- bis 20-Jährigen auf dem Vormarsch

Musikhören mit dem iPod von Apple und MP3-Playern anderer Fabrikate steht bei Jugendlichen hoch im Kurs, oft auf volle Lautstärke aufgedreht. „Zu laut!“, sagen HNO-Ärzte. Deshalb fordern die Mediziner den Gerätehersteller Apple jetzt zur Kooperation auf: Nach dem Willen der Ärzte sollen Apple und andere MP3-Hersteller künftig nicht nur generell vor zu lautem Musikhören warnen, sondern wichtige Tipps geben, wie sich die Jugendlichen besser vor Hörschäden schützen können! „Wir werden Apple auf unserer Fortbildungsveranstaltung zur Zusammenarbeit auffordern, um künftig einen optimalen Gesundheitsschutz zu erreichen“, kündigt Dr. med. Dirk Heinrich, Erster Vorsitzender des Deutschen Berufsverbandes der Hals-, Nasen-Ohrenärzte im Vorfeld der 42. Fortbildungsveranstaltung (29. Oktober bis 01. November 2008 ) in Mannheim an. „Die Jugendlichen iPod-Fans von heute werden andernfalls zu den schwerhörigen Rentnern von morgen!“ Demnach sollten die Hersteller in den Gebrauchsanweisungen von iPods und MP3-Playern künftig genaue Angaben machen, ab welchem Wert auf der Lautstärkeskala der Player eine Gefahr für die Gesundheit droht.

„Die MP3-Player sind ein Riesenproblem“, betont auch der HNO-Experte Dr. med. Gerhard Hesse. „Die Dauerschall-Berieselung hat bei zahlreichen 16- bis 20-Jährigen zu deutlichen Innenohrschäden geführt.“

Die Europäische Norm DIN EN 50332-1/2 hat den maximalen Schalldruckpegel bei tragbaren Audiogeräten wie iPods und MP3-Playern zwar auf 100 Dezibel beschränkt. In der Praxis nützt das dem Verbraucher wenig. Wie soll der Verbraucher wissen, welches die kritischen Werte auf dem Lautstärkeregler sind? Das Risiko von Hörschäden hängt vor allem von der Dauer der Lautstärke ab. “Wenn Jugendliche über acht Stunden täglich mit 85 Dezibel Musik hören, riskieren sie damit einen dauerhaften Hörschaden“, warnt Dr. Gerhard Hesse. Beim Arbeitsschutz gelten hier klare Regeln: Am Arbeitsplatz muss ab 85 Dezibel Lautstärke schon ein Gehörschutz getragen werden! Fünf Stunden laute Musik ab 89 Dezibel sind mehr als pro Woche am Arbeitsplatz erlaubt sind.

Gemeinhin gelten 65 Dezibel als normale Lautstärke, wenn sich Gesprächspartner über eine Distanz von einem Meter unterhalten. Ein schwerer LKW etwa wird mit 90 Dezibel gemessen. Ab 100 Dezibel wird auf Dauer jedes Ohr geschädigt, warnt der HNO-Arzt. Das Problem: Das Ohr gewöhnt sich an eine zu hohe Lautstärke über einen längeren Zeitraum. Bei MP3-Playern und iPods registrieren Jugendliche den eigentlichen Lärm immer weniger, so Hesse.

„Die Schwerhörigkeit hat sich in Deutschland zu einer echten Volkskrankheit entwickelt“, so Dr. Gerhard Hesse. „Das Problem ist, dass die Patienten immer jünger werden.“ Nach Schätzungen des Verbandes leiden rund 15 Millionen Bundesbürger an Schwerhörigkeit, nur zwei Millionen der Patienten tragen ein Hörgerät. Gesundheitsschädlich sei vor allem der permanente Lärm, dem die Menschen täglich ausgesetzt sind.

„Der Lärm hört nie auf, das ist das Problem! Der zweite Aspekt ist, dass sich der Lärm summiert“. Alltagslärm, Industrielärm, Lärm am Arbeitsplatz und die Belastung in der Freizeit sind Gift fürs Gehör. Das plötzliche, stete Pfeifen im Ohr, der Tinnitus, ist ein erstes Hinweiszeichen für die Schwerhörigkeit. Ältere Patienten müssten frühzeitig gescreent werden, damit die Erkrankung rechtzeitig festgestellt und behandelt werden kann.

Ältere, schwerhörige Menschen würden sich erfahrungsgemäß immer mehr zurückziehen und schließlich sogar sozial isolieren.

Laut Dr. Gerhard Hesse könne sich hinter der Diagnose Alzheimer in manchen Fällen ein nicht erkannter Hörschaden verbergen. “Viele ältere Menschen sind nicht dement, sondern stockschwerhörig.“ Vorsorgetests müssten deshalb gesetzlich festgeschrieben und in Altersheimen umgesetzt werden. Neben rechtzeitiger Vorsorge und effektiver Therapie gelte aber vor allem eines: Den Lärmpegel im Alltag und in der Freizeit deutlich zu reduzieren, rät der HNO-Arzt.

Der Bundesverband will nun die Industrie und den Gesundheitsschutz der Jugendlichen verstärkt ins Visier nehmen – und das mit Unterstützung von iPod bzw. MP3-Herstellern wie Apple. „Wir eröffnen jetzt die Dezibel-Debatte“, betont Dr. med. Dirk Heinrich, Erster Vorsitzender des deutschen Berufsverbandes der HNO-Ärzte. “Wir brauchen die Unterstützung und Verantwortung der Industrie, um für die Gesundheit junger Erwachsener Sorge zu tragen.“ Klare Hinweise, wie die Jugendlichen ihre Ohren beim Musikhören mit iPods und MP3-Playern schützen können, seien ein großer Schritt in die richtige Richtung.